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Original: "Small is Beautiful. A Study of Economics as if People Mattered", E.F. Schumacher, Blond & Briggs, London, 1973
Auszüge aus der deutschen Übersetzung mit dem Titel:
"Die Rückkehr zum menschlichen Mass, Alternativen für Wirtschaft und Technik",
E.F. Schumacher, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1981, Seiten 36 bis 56

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Aus Teil I
Die moderne Welt



Abschnitt III. Die Rolle der Wirtschaftswissenschaft

Zwar wäre es eine Übertreibung, wollte man sagen, dass unsere wirtschaftliche Zukunft von den Wirtschaftswissenschaftlern bestimmt wird. Dass sie jedoch - auf jeden Fall aber die Wirtschaftswissenschaft - einen weitreichenden Einfluss haben, lässt sich kaum bezweifeln. Die Wirtschaftswissenschaft spielt bei der Bestimmung des Handelns in der modernen Welt eine zentrale Rolle insofern, als sie die Kriterien für das liefert, was <wirtschaftlich> und was <unwirtschaftlich> ist. Keine anderen Entscheidungsvorgaben üben einen grösseren Einfluss auf die Handlungen von einzelnen und Gruppen und auch von Regierungen aus. Man könnte daher denken, dass wir die Wirtschaftswissenschaftler um Rat fragen müssen, wenn wir wissen wollen, wie die Gefahren und Schwierigkeiten zu überwinden sind, denen die moderne Welt sich gegenübersieht, und wie wirtschaftliche Massnahmen zur Gewährleistung von Frieden und Stetigkeit ergriffen werden können.

Welche Beziehung hat denn eigentlich die Wirtschaftswissenschaft zu den in den vorhergehenden Kapiteln besprochenen Problemen? Wenn der Wirtschaftswissenschaftler urteilt, dass dies oder jenes Handeln <wirtschaftlich sinnvoll> oder <unwirtschaftlich> ist, erheben sich zwei wichtige und eng miteinander verbundene Fragen: Erstens, was bedeutet dieses Urteil? Und zweitens, ist das Urteil in dem Sinne zwingend, dass es als vernünftige Grundlage praktischen Handelns dienen kann?

Wenn wir in der Geschichte zurückschauen, erinnern wir uns vielleicht, dass viele Menschen keineswegs glücklich waren, als vor 150 Jahren ein Lehrstuhl für Volkswirtschaft in Oxford eingerichtet werden sollte. Edward Copleston, der bedeutende Rektor des Oriel College, wollte in den Lehrplan der Universität keine Wissenschaft aufnehmen, die "so sehr dazu neigt, alles andere an sich zu reissen". Selbst Henry Drummond von Albury Park, der die Professur 1825 stiftete, hielt die Klarstellung für erforderlich, dass er von der Universität erwartete, sie möge die neue Fachrichtung <auf ihren Platz verweisen>. Doch schon ihren ersten Lehrstuhlinhaber, Nassau senior, konnte man nicht an untergeordneter Stelle halten. Er sagte in seiner Antrittsvorlesung, diese neue Wissenschaft werde "im Ansehen der Öffentlichkeit - was Anteilnahme und Nützlichkeit angeht - unter den moralischen Wissenschaften mit an erster Stelle stehen", und behauptete, dass "das Streben nach Wohlstand ... für den grössten Teil der Menschheit die grosse Quelle moralischer Besserung darstellt". Sicherlich haben nicht alle Wirtschaftswissenschaftler ihre Ansprüche so hochgeschraubt. Für John Stuart Mill (1806 bis 1873) stand die Volkswirtschaft "nicht da als ein Ding für sich, sondern als Fragment eines grösseren Ganzen, als ein Zweig der sozialen Philosophie, welcher so verwoben war mit allen anderen, dass seine Folgerungen selbst auf dem ihm eigenen Gebiet nur bedingungsweise wahr und der Einmengung und Gegenwirkung von Ursachen unterworfen sind, die nicht unmittelbar in ihrem Spielraum liegen". Und im Widerspruch zu seinem eigenen (schon zitierten) Rat, dass "Geiz, Wucher und Misstrauen noch eine kleine Weile unsere Götter sein müssen" ermahnte uns selbst Keynes, "das Gewicht des wirtschaftlichen Problems nicht zu überschätzen oder seinen vorgeblichen Notwendigkeiten andere Dinge von grösserer und dauerhafterer Bedeutung zu opfern".

Solche Stimmen werden jedoch heute selten gehört. Es ist kaum übertrieben zu sagen, dass mit zunehmendem Reichtum die Wirtschaftswissenschaft in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses geraten ist und dass Wirtschaftsleistung, Wirtschaftswachstum, Expansion der Wirtschaft und so weiter bei allen modernen Gesellschaften Gegenstand ständigen Interesses, wenn nicht der Besessenheit geworden sind. Es gibt im gegenwärtigen Wortschatz für den Ausdruck der Geringschätzung nur wenige Wörter, die so endgültig verdammen wie das Wort <unwirtschaftlich>.

Ist eine Tätigkeit einmal als unwirtschaftlich gebrandmarkt, wird ihr Existenzrecht nicht nur in Frage gestellt, sondern energisch bestritten. Alles, wovon man annimmt, es stelle ein Hindernis wirtschaftlichen Wachstums dar, ist zu verachten. Menschen, die daran festhalten, werden entweder für Saboteure oder Narren gehalten. Man nenne etwas unmoralisch oder hässlich, eine Gefahr für den Weltfrieden oder das Wohlergehen späterer Generationen, man sage, es zerstöre die Seele oder erniedrige den Menschen - solange man nicht gezeigt hat, dass es <unwirtschaftlich> ist, hat man sein Recht auf Leben, Wachstum und Gedeihen nicht wirklich in Frage gestellt.

Doch was bedeutet es, wenn wir etwas als unwirtschaftlich bezeichnen? Ich frage nicht, was die meisten Menschen damit meinen, denn das ist nur zu klar. Sie meinen einfach, dass es so etwas wie eine Krankheit ist: es geht einem besser ohne sie. Vom Wirtschaftswissenschaftler wird angenommen, dass er imstande ist, die Krankheit zu diagnostizieren und sie dann, mit Glück und Geschick, zu heilen. Zugegebenermassen sind Wirtschaftswissenschaftler oft untereinander uneins im Hinblick auf die Diagnose und, noch häufiger, im Hinblick auf Lösungsmöglichkeiten. Das aber beweist lediglich, dass der Gegenstand ungemein schwierig ist und Wirtschaftswissenschaftler wie andere Menschen fehlbar sind.

Nein, ich frage, was es bedeutet, welchen Sinn das System der Wirtschaftswissenschaft tatsächlich hervorbringt. Die Antwort auf diese Frage kann keinem Zweifel unterliegen: etwas ist dann unwirtschaftlich, wenn es keinen angemessenen Gewinn erbringt, der sich in Geld beziffern lässt. Das System der Wirtschaftswissenschaft bringt keinen anderen Sinn hervor und kann auch keinen anderen hervorbringen. Es sind zahlreiche Versuche zur Verschleierung dieser Tatsache gemacht worden, und sie haben sehr viel Verwirrung gestiftet - doch die Tatsache bleibt bestehen. Die Gesellschaft oder eine Gruppe, sogar ein einzelner innerhalb dieser Gruppe kann beschliessen, ein Tun oder ein Gut aus nicht-wirtschaftlichen Gründen - gesellschaftlichen, ästhetischen, moralischen oder politischen - beizubehalten, doch ändert das in keiner Weise an dessen Unwirtschaftlichkeit. Das Urteil der Wirtschaftswissenschaft ist, in anderen Worten, ein überaus bruchstückhaftes Urteil. Aus der grossen Anzahl von Gesichtspunkten, die im wirklichen Leben gemeinsam gesehen und beurteilt werden müssen, bevor man eine Entscheidung fällen kann, stellt die Wirtschaftswissenschaft nur einen zur Verfügung - ob etwas jenen, die sich damit beschäftigen, einen Geldgewinn bringt oder nicht.

Die Wörter <jenen, die sich damit beschäftigen>, dürfen nicht übersehen werden. Es ist z. B. ein grosser Irrtum, anzunehmen, dass das System der Wirtschaftswissenschaft üblicherweise zur Entscheidung darüber herangezogen wird, ob ein von einer Gruppe innerhalb der Gesellschaft ausgeübtes Tun für die Gesellschaft insgesamt einen Gewinn bringt. Nicht einmal verstaatlichte Industrien werden unter diesem umfassenderen Blickwinkel betrachtet. Man setzt jeder dieser gesellschaftlichen Gruppen ein finanzielles Ziel - und das stellt eine Verpflichtung dar - und erwartet, dass sie dieses Ziel ohne Rücksicht auf Schäden verfolgen, die dabei in anderen Teilbereichen der Wirtschaft auftreten können. Der Glaube, dem alle politischen Parteien mit gleicher Inbrunst anhängen, geht dahin, dass das Gemeinwohl zwangsläufig am grössten ist, wenn jeder, jede Industrie, jedes Gewerbe, ob verstaatlicht oder nicht, danach strebt, vom eingesetzten Kapital einen angemessenen <Nutzen> zu erwirtschaften. Nicht einmal Adam Smith vertraute blind darauf, die <verborgene Hand> werde dafür sorgen, dass das, "was für General Motors gut ist, auch für die Vereinigten Staaten gut ist".

Wie auch immer es sich damit verhält, es kann keinerlei Zweifel an der Lückenhaftigkeit der Urteile der Wirtschaftswissenschaft geben. Sogar auf dem engumgrenzten Gebiet der Rentabilitätsberechnung sind diese Urteile zwangsläufig und methodisch eingeschränkt. Zum einen legen sie auf die Kurzfristigkeit ein vielfach grösseres Gewicht als auf die Langfristigkeit, weil wir, langfristig gesehen, wie Keynes mit heiterer Brutalität bemerkte, alle tot sein werden. Und zum zweiten basieren sie auf einer Definition des Kostenbegriffs, bei dem alle <kostenlosen Güter> ausgeschlossen sind. Damit ist die gesamte gottgegebene Umwelt gemeint, abgesehen von den Teilen, die privat in Besitz genommen wurden. Das aber bedeutet, dass ein Tun auch dann wirtschaftlich sein kann, wenn es der Umwelt schadet, und dass ein damit im Wettbewerb stehendes Handeln unwirtschaftlich ist, wenn es die Umwelt mit einem gewissen Kostenaufwand schützt und bewahrt.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Wirtschaftswissenschaft mit Waren entsprechend ihrem Marktwert und nicht entsprechend dem, was sie wirklich bedeuten. Dieselben Regeln und Massstäbe werden auf Grundstoffe angewendet, die aus der Natur gewonnen werden müssen, und auf Erzeugnisse, die das Vorhandensein von Grundstoffen voraussetzen. Alle Güter werden gleich angesehen, weil der Standpunkt im wesentlichen der des privaten Gewinnstrebens ist. Das aber bedeutet, es gehört zum System der Wirtschaftswissenschaft, der Abhängigkeit des Menschen von der Natur keine Beachtung zu schenken.

Man könnte anders formuliert sagen, die Wirtschaftswissenschaft beschäftigt sich mit Waren und Dienstleistungen unter dem Gesichtswinkel des Marktes, wo der Käufer mit dem Verkäufer zusammentrifft. Der Käufer versucht letzten Endes nur, günstig an die Waren zu kommen. Ihn interessieren der Ursprung der Waren oder die Bedingungen nicht, unter denen sie hergestellt wurden. Es geht ihm einzig darum, den höchstmöglichen Gegenwert für sein Geld zu bekommen.

Daher spiegelt der Markt nur die Oberfläche der Gesellschaft, und seine Bedeutung gibt die gegenwärtige Lage wieder, wie sie sich an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit zeigt. Die Tiefe der Dinge, die natürlichen oder gesellschaftlichen Tatsachen hinter ihnen, werden nicht berücksichtigt. In gewisser Hinsicht ist der Markt die Institutionalisierung des Individualismus und der Nicht-Verantwortlichkeit. Weder Käufer noch Verkäufer sind für etwas ausser sich selbst verantwortlich. Es wäre <unwirtschaftlich>, wollte ein wohlhabender Verkäufer für arme Kunden seine Preise nur deswegen senken, weil sie bedürftig sind, oder wollte ein wohlhabender Käufer nur deswegen einen höheren Preis zahlen, weil der Lieferant arm ist. Ebenso wäre es <unwirtschaftlich>, gäbe ein Käufer inländischen Erzeugnissen den Vorzug, wenn Importwaren billiger sind. Er übernimmt keine Verantwortung für die Zahlungsbilanz des Landes, und das wird auch nicht von ihm erwartet.

Im Hinblick auf die Nicht-Verantwortlichkeit des Käufers gibt es eine aufschlussreiche Ausnahme: er muss darauf achten, dass er keine gestohlenen Waren kauft. Gegen diese Vorschrift schützt weder Unwissenheit noch Schuldlosigkeit; und sie kann erstaunlich ungerechte und ärgerliche Ergebnisse haben. Dennoch ist sie erforderlich wegen der Unantastbarkeit des Privateigentums, für die sie steht.
Natürlich vereinfacht es das Geschäft ungemein, wenn man von aller Verantwortung, ausser sich selbst gegenüber, befreit ist. Dass das praktisch ist, lässt sich einsehen, und daher darf es uns nicht überraschen, dass dieser Grundsatz unter Geschäftsleuten sehr beliebt ist. Überraschung könnte höchstens auslösen, dass es ebenso als rechtschaffen gilt, diese Freiheit von Verantwortung im grössten Umfang zu gebrauchen. Schlüge ein Käufer einen guten Kauf aus, weil er hinter einem günstigen Angebot Ausbeutung oder andere niedrige Praktiken (mit Ausnahme von Diebstahl) witterte, müsste er sich <unwirtschaftliches> Verhalten vorwerfen lassen. Das aber bedeutet nichts anderes, als dass er in Ungnade fällt. Wirtschaftswissenschaftler und andere behandeln üblicherweise solch wunderliches Verhalten mit Spott, wenn nicht sogar mit Entrüstung. Die Religion der Wirtschaftswissenschaft hat ihre eigenen ethischen Grundsätze, und das erste Gebot verlangt, dass man sich <wirtschaftlich> verhält - jedenfalls bei der Herstellung, beim Verkauf oder Kauf. Erst wenn der Mensch, der nach einem günstigen Kauf strebte, nach Hause zurückgekehrt und zum Verbraucher geworden ist, gilt das erste Gebot nicht mehr. Jetzt wird er dazu ermuntert, es sich auf jegliche Weise <wohl sein zu lassen>. Aus der Sicht der Religion der Wirtschaftswissenschaft ist der Verbraucher exterritorial. Dies eigentümliche und bedeutsame Kennzeichen der modernen Welt verdient es ausführlicher als bisher dargestellt zu werden.

Auf dem Markt werden aus praktischen Gründen zahllose Qualitätsunterscheidungen unterdrückt, die für den Menschen und die Gesellschaft von lebensnotwendiger Bedeutung sind. Es wird ihnen nicht gestattet, eine stärkere Rolle zu spielen. Somit feiert die Herrschaft der grossen Zahl auf <dem Markt> ihre Triumphe. Alles wird mit allem anderen gleichgesetzt. Dinge einander gleichsetzen bedeutet, ihnen einen Preis zuzuordnen und sie so austauschbar zu machen, In dem Umfang, in dem wirtschaftliches Denken auf dem Markt vorherrscht, nimmt es dem Leben den Sinn, da etwas, das einen Preis hat, nichts Bleibendes an sich haben kann. Daher überrascht es nicht, dass selbst einfache unwirtschaftliche Werte wie Schönheit, Gesundheit oder Sauberkeit nur überdauern können, wenn sie sich als <wirtschaftlich> erweisen, sobald erst einmal wirtschaftliches Denken die gesamte Gesellschaft durchdringt.
Um nicht-wirtschaftliche Werte in den Rahmen der Wirtschaftlichkeitsberechnung zu zwängen, verwenden Wirtschaftswissenschaftler das Verfahren der Kosten-/Nutzenanalyse. Man hält sie allgemein für eine aufgeklärte und fortschrittliche Entwicklung, da sie zumindest einen Versuch darstellt, Kosten und Nutzen in Rechnung zu stellen, die sonst möglicherweise vollständig ausser acht gelassen würden. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um ein Verfahren, bei dem das Höhere auf die Ebene des Niedrigeren hinabgedrückt und dem Unvergleichlichen ein Preis zugemessen wird. Mithin kann es niemals dazu dienen, die Lage zu klären und zu einer vernünftigen Entscheidung zu führen, sondern lediglich zur Selbsttäuschung oder zur Täuschung anderer. Der Versuch, das Unmessbare messen zu wollen, ist absurd, und er stellt nichts anderes dar als ein ausgeklügeltes Verfahren, mit dessen Hilfe man von vorgefassten Ansichten zu von vornherein feststehenden Entscheidungen gelangt. Um zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen, muss man nur noch den unmessbaren Kosten und dem ebenso unmessbaren Nutzen passende Werte unterlegen. Doch ist die logische Absurdität noch nicht der grösste Fehler dabei: schlimmer und für die Zivilisation zerstörerisch ist der Anspruch, dass alles einen Preis hat oder, anders gesagt, dass Geld der höchste aller Werte ist.

Die Wirtschaftswissenschaft arbeitet rechtmässig und sinnvoll innerhalb eines <gegebenen> Rahmens, der vollständig ausserhalb der Wirtschaftlichkeitsberechnung liegt. Wir könnten sagen, dass Wirtschaftswissenschaft nicht auf ihren eigenen Füssen steht oder dass sie ein <abgeleitetes> Denkgebäude darstellt - abgeleitet von der Meta-Wirtschaftswissenschaft. Wenn der Wirtschaftswissenschaftler Meta-Wirtschaftswissenschaft nicht zum Gegenstand seiner Studien macht oder, schlimmer noch, wenn er sich nicht darüber klar wird, dass die Anwendung der Wirtschaftlichkeitsberechnung Grenzen hat, verfällt er wahrscheinlich einem ähnlichen Irrtum wie bestimmte mittelalterliche Theologen, die versuchten, physikalische Fragen an Hand von Bibelzitaten zu lösen. Jede Wissenschaft ist innerhalb ihrer eigenen Grenzen nützlich, sie wird aber schädlich und zerstörerisch, sobald sie diese Grenzen überschreitet.
Die Wirtschaftswissenschaft "neigt so sehr dazu, alles andere an sich zu reissen" - und zwar heute mehr als vor 150 Jahren, da Edward Copleston auf diese Gefahr hinwies -, weil sie sich auf bestimmte, sehr starke Triebe des Menschen wie beispielsweise Neid und Habsucht bezieht. Um so grösser ist die Pflicht der Fachleute, der Wirtschaftswissenschaftler, die Begrenzungen ihres Fachs zu erkennen und darzustellen, das heisst Meta-Wirtschaftswissenschaft zu verstehen.

Was aber ist Meta-Wirtschaftswissenschaft? Da Wirtschaftswissenschaft sich mit dem Menschen in seiner Umwelt beschäftigt, können wir erwarten, dass Meta-Wirtschaftswissenschaft aus zwei Teilen besteht. Dabei beschäftigt sich der eine mit dem Menschen und der andere mit der Umwelt. Anders gesagt, wir können erwarten, dass die Wirtschaftswissenschaft die weiteren und engeren Ziele ihrer Anstrengungen aus einer Betrachtung des Menschen gewinnt und dass sie zumindest einen grossen Teil ihres Aufbaus aus einer Betrachtung der Natur herleitet.

Im nächsten Kapitel werde ich den Versuch machen zu zeigen, wie sich die Folgerungen und Lehren der Wirtschaftswissenschaft in dem Masse ändern, wie der Daseinszweck des Menschen gesehen wird. In diesem Kapitel beschränke ich mich auf eine Darstellung des zweiten Teils der Meta-Wirtschaftswissenschaft, d. h. der Art, in der ein wesentlicher Teil des wirtschaftswissenschaftlichen Systems aus einer Betrachtung der Natur abgeleitet werden muss. Wie ich schon betont habe, werden auf dem Markt alle Güter gleich behandelt, weil er in der Hauptsache dazu dient, die Gelegenheit zu einem günstigen Einkauf zu bieten. Das aber bedeutet, das System der modernen Wirtschaftswissenschaft, das so sehr marktorientiert ist, lässt die Abhängigkeit des Menschen von der natürlichen Welt völlig ausser acht. Professor E. H. Phelps Brown sprach als Vorsitzender der Royal Economic Society in seiner Ansprache mit dem Titel <Die Unterentwicklung der Wirtschaftswissenschaft> über "den geringen Anteil, den die augenfälligsten Entwicklungen der Wirtschaftswissenschaft im letzten Vierteljahrhundert bei der Lösung der drängendsten Zeitfragen hatten". Zu diesen zählt er "die Eingrenzung der nachteiligen Folgen von Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und Verstädterung" für die Umwelt und die Lebensqualität.

Tatsächlich ist die Aussage "der geringe Anteil" nichts als Schönfärberei, da in Wahrheit überhaupt kein Anteil geleistet wurde. Im Gegenteil, es wäre nicht ungerecht, wollte man sagen, dass die Wirtschaftswissenschaft, wie sie sich gegenwärtig zeigt und angewandt wird, ein äusserst wirksames Hindernis beim Verständnis dieser Fragen darstellt. Das hängt mit ihrer Sucht nach reiner Mengenanalyse und ihrer furchtsamen Weigerung zusammen, die wahre Natur der Dinge zu erkennen.

Wirtschaftswissenschaft beschäftigt sich mit einer endlosen Vielzahl von Waren und Dienstleistungen, die von einer ebenso endlosen Vielzahl von Menschen erzeugt und verbraucht werden. Es wäre selbstverständlich unmöglich, überhaupt irgendeine Wirtschaftstheorie zu entwickeln, es sei denn, man wäre bereit, einen sehr grossen Katalog qualitativer Unterscheidungen unberücksichtigt zu lassen. Doch sollte es ebenso selbstverständlich sein, dass das vollständige Ausserachtlassen qualitativer Unterscheidungen zwar einerseits das Theoretisieren vereinfacht, es zugleich aber auch gänzlich unfruchtbar macht. Die meisten der "augenfälligen Entwicklungen der Wirtschaftswissenschaft im letzten Vierteljahrhundert" (auf die sich Professor Phelps Brown bezog) gehen in Richtung auf eine Quantifizierung und zu Lasten des Verständnisses von qualitativen Unterscheidungen. Man könnte durchaus sagen, dass die Wirtschaftswissenschaft diesen Unterscheidungen zunehmend unduldsam gegenübersteht, weil sie nicht in ihr System passen und an das praktische Verständnis sowie die Urteilskraft der Wirtschaftswissenschaftler Anforderungen stellen, die diese nicht erfüllen können oder wollen. Beispielsweise ist der zum Ökonometriker gewordene Wirtschaftswissenschaftler nicht bereit und im allgemeinen auch nicht in der Lage, nachdem er auf seine rein quantifizierende Weise den Anstieg des Bruttosozialprodukts eines Landes um, sagen wir, 5 Prozent festgestellt hat, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob das gut oder schlecht ist. Er würde alle seine Gewissheiten verlieren, wenn er solch eine Frage auch nur erwöge: Anwachsen des Bruttosozialprodukts muss gut sein, unabhängig davon, was angestiegen ist und wer - wenn überhaupt jemand - davon einen Nutzen hatte. Die Vorstellung, dass es sich um krankhaftes Wachstum handeln könnte, um ungesundes, zerstörerische, oder schädliches Wachstum, ist für ihn eine widernatürliche Vorstellung, der man nicht nachgehen darf. Gegenwärtig fängt eine kleine Minderheit von Wirtschaftswissenschaftlern an, die Frage zu stellen, wieviel <Wachstum> noch möglich ist, da unendliches Wachstum in einer endlichen Umgebung offenbar unmöglich ist. Doch nicht einmal sie können sich von der rein auf Mengenwachstum bezogenen Vorstellung lösen. Statt dass sie auf dem Vorrang qualitativer Unterscheidungen bestehen, setzen sie lediglich Nicht-Wachstum an die Stelle von Wachstum, das heisst einen leeren Begriff an die Stelle eines anderen.

Selbstverständlich stimmt es, dass Qualität weit schwieriger zu <handhaben> ist als Mengen, so wie auch das Urteilen eine höhere Fähigkeit darstellt als das Zählen und Rechnen. Mengenunterschiede lassen sich leichter fassen und gewiss leichter definieren als Qualitätsunterschiede, ihre Greifbarkeit ist bestechend und gibt ihnen den Anschein wissenschaftlicher Genauigkeit, selbst wenn diese Genauigkeit durch Weglassen wesentlicher Qualitätsunterschiede erkauft wurde. Die grosse Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler verfolgt noch immer die sinnlose Idealvorstellung, sie müssten ihre <Wissenschaft> so wissenschaftlich und genau wie die der Physik machen, als gäbe es keine Qualitätsunterschiede zwischen unbeseelten Atomen und nach dem Bilde Gottes erschaffenen Menschen!
Güter sind der Hauptgegenstand der Wirtschaftswissenschaft. Wirtschaftswissenschaftler machen einige nicht sehr weitgehende Unterscheidungen zwischen Arten von Gütern, vom Standpunkt des Käufers gesehen, wie beispielsweise die zwischen Verbrauchsgütern und Produktionsgütern. Doch wird fast überhaupt nicht der Versuch unternommen, von dem Kenntnis zu nehmen, was solche Güter tatsächlich darstellen beispielsweise ob sie von Menschenhand gemacht sind oder aus der Natur kommen, ob sie leicht zu erneuern sind oder nicht. Wenn Güter, gleich welcher Art, im Hinblick auf die Meta-Wirtschaftswissenschaft erst einmal auf dem Markt sind, werden sie wie alle zu verkaufenden Gegenstände behandelt, und der Wirtschaftswissenschaft geht es in erster Linie um eine theoretische Abhandlung der Tätigkeiten des Käufers, die darauf abzielen, einen günstigen Kauf zu machen.
Es ist jedoch eine Tatsache, dass es grundlegende und wesentliche Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von <Gütern> gibt, die nicht ausser acht gelassen werden dürfen, will man nicht den Bezug zur Wirklichkeit verlieren. Das Nachstehende könnte man eine Minimal-Darstellung der Gütergruppen nennen:



Es könnte, das sei gleich gesagt, kaum eine bedeutendere Unterscheidung geben als die zwischen naturgegebenen und von Menschenhand geschaffenen Gütern, da letztere das Vorhandensein ersterer voraussetzen. Eine Erweiterung der Fähigkeit des Menschen, selbst Güter zu schaffen, ist dann sinnlos, wenn ihr nicht eine Erweiterung seiner Fähigkeit zur Gewinnung von naturgegebenen Gütern aus der Erde vorausgeht. Immerhin ist der Mensch kein Erzeuger, sondern lediglich ein Umwandler, für jede Umwandlungstätigkeit aber braucht er Grundstoffe. Insbesondere hängt seine Fähigkeit zur Umwandlung von primärer Energie ab, was sofort auf die Notwendigkeit einer überaus wichtigen Unterscheidung auf dem Gebiet der Grundstoffe verweist, nämlich jener zwischen erneuerbaren und nicht-erneuerbaren. Hinsichtlich der von Menschenhand geschaffenen Güter besteht ein deutlicher und grundlegender Unterschied zwischen Erzeugung und Dienstleistung. Damit sind wir bei einer Mindestzahl von vier Gruppen, von denen sich jede wesentlich von jeder der drei anderen unterscheidet.

Von diesen Unterscheidungen weiss der Markt nichts. Er versieht alle Güter mit einem Preisschild und ermöglicht es uns damit, so zu tun, als wären sie alle von gleicher Bedeutung. Öl für fünfundzwanzig Mark (Gruppe 1) ist gleich Weizen für fünfundzwanzig Mark (Gruppe 2), der wiederum ist gleich Schuhen für fünfundzwanzig Mark (Gruppe 3) oder Hotelunterkunft für fünfundzwanzig Mark (Gruppe 4). Das einzige Bestimmungskriterium für die relative Wichtigkeit dieser verschiedenen Güter ist der Gewinnsatz, der sich dadurch erzielen lässt, dass man sie zur Verfügung stellt. Wenn die Gruppen 3 und 4 einen höheren Gewinn erbringen als die Gruppen 1 und 2, wird das als <Anzeichen> dafür angesehen, dass es <vernünftig> ist, dort zusätzliche Mittel einzusetzen und sie von den letzteren abzuziehen.

Mir geht es hier nicht um eine Diskussion der Zuverlässigkeit oder Vernunft des Marktmechanismus, dessen, was Wirtschaftswissenschaftler die <unsichtbare Hand> nennen. Darüber ist endlos diskutiert worden, aber immer wieder, ohne auf die grundlegende Unvergleichbarkeit der vier oben aufgezeigten Gruppen zu achten. Es blieb beispielsweise unbemerkt - oder, wenn man es bemerkte, hat man es bei der Abfassung der Wirtschaftstheorie nie ernst genommen , dass die Vorstellung von <Kosten> wesentlich verschieden ist, je nachdem ob es sich um erneuerbare oder nicht-erneuerbare Güter handelt. Das gilt auch für Erzeugnisse gegenüber Dienstleistungen. Ohne weiter in Einzelheiten gehen zu wollen, kann man sogar sagen, dass die Wirtschaftswissenschaft, wie sie sich gegenwärtig darstellt, vollständig nur auf die Produktion (Gruppe 3) Anwendung findet, jedoch unterschiedslos auf alle Güter und Dienstleistungen angewendet wird, weil ein Verständnis der wesentlichen qualitativen Unterschiede zwischen den vier Gruppen vollständig fehlt.

Diese Unterschiede kann man insofern meta-wirtschaftswissenschaftlich nennen, als sie erkannt werden müssen, bevor die wirtschaftliche Analyse beginnen kann. Noch wichtiger ist die Erkenntnis des Vorhandenseins von <Gütern>, die niemals auf dem Markt erscheinen, weil sie nicht privat angeeignet worden sind oder weil das nicht möglich ist, die aber dennoch eine wesentliche Vorbedingung allen menschlichen Tuns sind, wie zum Beispiel Luft, Wasser, Boden und überhaupt der gesamte Rahmen der lebenden Natur.

Bis vor ziemlich kurzer Zeit hielten die Wirtschaftswissenschaftler sich für berechtigt, und das aus hinlänglich gutem Grund, den gesamten Rahmen, innerhalb dessen wirtschaftliches Handeln stattfindet, als gegeben, das heisst als ständig und unzerstörbar, zu behandeln. Es war nicht Teil ihrer Aufgabe und wohl auch nicht ihrer beruflichen Zuständigkeit, die Wirkungen wirtschaftlichen Tuns auf den Rahmen zu untersuchen. Da jetzt aber zunehmende Anzeichen von Umweltzerstörung vorliegen, insbesondere in der lebenden Natur, werden die gesamte Sehweise und das System der Wirtschaftswissenschaft in Frage gestellt. Die Beschäftigung mit der Wirtschaftswissenschaft ist zu eingeschränkt und zu lückenhaft, als dass sie zu gültigen Erkenntnissen führen könnte, es sei denn, sie würde durch eine Beschäftigung mit Meta-Wirtschaftswissenschaft ergänzt und vervollständigt.

Die Schwierigkeit liegt, wenn die Mittel höher eingeschätzt werden als die Ziele - wie Keynes bestätigt hat, die Haltung der modernen Wirtschaftswissenschaft -, darin, dass dadurch die Freiheit des Menschen und seine Fähigkeit zerstört wird, das zu wählen, was er wirklich will. Die Entwicklung der Mittel diktiert sozusagen die Wahl der Wünsche. Naheliegende Beispiele sind das Streben nach Überschallgeschwindigkeit in der Luftfahrt und die ungeheuren Anstrengungen, die unternommen wurden, um Menschen auf dem Mond landen zu lassen. Die Formulierung dieser Ziele entstand nicht aus einer Erkenntnis wirklicher menschlicher Bedürfnisse und Wünsche, denen die Technik eigentlich dienen soll, sondern ausschliesslich daraus, dass die erforderlichen technischen Mittel zur Verfügung zu stehen schienen.

Wie wir gesehen haben, ist die Wirtschaftswissenschaft eine <abgeleitete> Wissenschaft, die Anweisungen von dem empfängt, was ich Meta-Wirtschaftswissenschaft genannt habe. So wie die Anweisungen sich ändern, ändert sich der Inhalt der Wirtschaftswissenschaft. Im folgenden Kapitel soll untersucht werden, was für wirtschaftliche Gesetze und was für Definitionen der Vorstellungen <wirtschaftlich> und <unwirtschaftlich> sich ergeben, wenn wir die meta-wirtschaftswissenschaftliche Grundlage des westlichen Materialismus verlassen und die Lehre des Buddhismus an seine Stelle setzen. Die Wahl des Buddhismus für diesen Zweck ist rein zufällig; ebensogut hätte die Lehre des Christentums, des Islam oder des Judentums oder die jeder anderen der grossen östlichen Überlieferungen eingesetzt werden können.



IV. Buddhistische Wirtschaftslehre

<Rechter Lebensunterhalt> ist eine der Anforderungen auf dem Edlen Achtfachen Pfade Buddhas. Mithin ist klar, dass es so etwas wie eine buddhistische Wirtschaftslehre geben muss.

Buddhistische Länder haben oft erklärt, dass sie ihrem Erbe treu bleiben wollen. In Birma beispielsweise heisst es: "Das Neue Birma sieht keinen Widerstreit zwischen Werten der Religion und wirtschaftlichem Fortschritt. Geistig-seelische Gesundheit und materielles Wohlergehen sind keine Feinde, sondern natürliche Verbündete." Oder: "Wir können die religiösen und geistig-seelischen Werte unseres Erbes und die Vorteile der modernen Technik erfolgreich miteinander verbinden." Oder: "Wir Birmanen haben die heilige Pflicht, unsere Träume und unsere Taten mit unserem Glauben zur Deckung zu bringen. Das werden wir stets tun."
Dennoch nehmen solche Länder immer wieder an, dass sie ihre wirtschaftlichen Entwicklungspläne entsprechend der modernen Wirtschaftswissenschaft gestalten können. Dazu berufen sie moderne Wirtschaftsfachleute aus sogenannten entwickelten Ländern, damit diese sie beraten, die zu ergreifenden Massnahmen formulieren und den grossen Entwicklungsplan, den Fünf-Jahres-Plan, oder wie auch immer er genannt wird, aufstellen. Es scheint niemandem einzufallen, dass eine buddhistische Lebensweise eine buddhistische Wirtschaftslehre braucht, so wie die moderne materialistische Lebensweise die moderne Wirtschaftswissenschaft hervorgebracht hat.
Wirtschaftswissenschaftler leiden gewöhnlich, wie die meisten Spezialisten, an einer Art metaphysischer Blindheit und nehmen an, ihre Wissenschaft verwalte absolute und unwandelbare Wahrheiten, die keine stillschweigenden Voraussetzungen erfordern. Einige gehen sogar so weit, dass sie erklären, wirtschaftliche Gesetze seien ebenso frei von <Metaphysik> oder <Werten> wie das Gesetz der Schwerkraft. Wir brauchen uns jedoch nicht auf einen Methodenstreit einzulassen. Sehen wir uns statt dessen einige Grundbegriffe an, und stellen wir fest, wie sie einem modernen Wirtschaftswissenschaftler und einem Vertreter der buddhistischen Wirtschaftslehre erscheinen.

Es besteht wohl allgemeine Übereinstimmung darüber, dass die menschliche Arbeit eine grundlegende Quelle des Wohlstandes ist. Der moderne Wirtschaftswissenschaftler hat jedoch gelernt, in <Arbeit> nicht viel mehr als ein notwendiges Übel zu sehen. Vom Standpunkt des Arbeitgebers aus ist sie auf jeden Fall einfach ein Kostenfaktor, der auf ein Minimum zu verringern ist, wenn er sich nicht, beispielsweise durch Automation, völlig ausschalten lässt. Vom Standpunkt des Arbeiters aus ist sie eine <Last> - arbeiten heisst ein Opfer an Musse und Bequemlichkeit bringen. Dabei stellt der Lohn eine Art Entschädigung für dies Opfer dar. Somit ist das Ideal vom Standpunkt des Arbeitgebers aus gesehen eine Produktion ohne Arbeitnehmer und vom Standpunkt des Arbeitnehmers aus gesehen ein Einkommen ohne Arbeitstätigkeit.

Die Folgen dieser Haltungen sind theoretisch und praktisch überaus weitreichend. Wenn das Ideal der Arbeit darin besteht, von ihr loszukommen, ist jedes Mittel gut, das <die Arbeitslast vermindert>. Die wirksamste Methode nächst der Automation ist die sogenannte <Arbeitsteilung>. Das klassische Beispiel dafür ist die Nadelfabrik, die in Adam Smiths' Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen gepriesen wird. Hier geht es nicht um eine gewöhnliche Spezialisierung, wie sie seit undenklichen Zeiten in allen Gesellschaften gegeben war, sondern um die Zerlegung jeden Produktionsvorgangs in kleinste Schritte, so dass das Endprodukt mit grosser Geschwindigkeit erzeugt werden kann, ohne dass jemand dazu mehr als eine gänzlich unbedeutende und meist auch ohne besondere Fähigkeit erlernbare Bewegung seiner Glieder beitragen müsste.

Vom buddhistischen Standpunkt aus gesehen, erfüllt Arbeit mindestens drei Aufgaben: sie gibt dem Menschen die Möglichkeit, seine Fähigkeiten zu nutzen und zu entwickeln. Sie hilft ihm, aus seiner Ichbezogenheit herauszutreten, indem sie ihn mit anderen Menschen in einer gemeinsamen Aufgabe verbindet, und sie erzeugt die Güter und Dienstleistungen, die für ein menschenwürdiges Dasein erforderlich sind. Wiederum sind die Folgerungen nicht abzusehen, die sich aus dieser Sicht ergeben. Arbeit so zu organisieren, dass sie für den Arbeiter sinnlos, langweilig, verdummend oder nervenaufreibend ist, wäre ein Verbrechen. Aus einer solchen Haltung ginge hervor, Güter seien wichtiger als Menschen. Das aber entspräche einem erschreckenden Mangel an Mitgefühl und der wesenzerstörenden Hinnahme eines Lebens auf der primitivsten Stufe der Existenz. Wollte man nach Musse als einer Alternative zur Arbeit streben, würde das ebenfalls als völliges Missverständnis einer der Grundwahrheiten menschlichen Seins angesehen, dass nämlich Arbeit und Musse einander ergänzende Teile desselben Lebensvorgangs sind und nicht getrennt werden können, ohne dass Arbeitsfreude und der Segen der Musse zerstört werden.

Daher gibt es vom buddhistischen Standpunkt aus zwei Arten der Mechanisierung, die deutlich zu unterscheiden sind: eine, die das Geschick und die Kraft des Menschen steigert, und eine, die die Arbeit eines Menschen einem mechanischen Sklaven überträgt, wobei der Mensch dem Sklaven zu dienen hat. Wie lässt sich die eine von der anderen unterscheiden? "Der Handwerker" sagt Ananda Coomaraswamy, ein Mann, der gleichermassen befugt ist, über den modernen Westen wie den alten Osten zu sprechen, "kann stets selbst die feine Unterscheidung zwischen Maschine und Werkzeug machen, wenn man ihm das gestattet. Der Handwebstuhl ist ein Werkzeug, eine Vorrichtung, die die Kettfäden spannt, so dass die Finger des Handwerkers die Schussfäden um sie herumweben können. Der mechanische Webstuhl hingegen ist eine Maschine, und ihre Bedeutung als Zerstörerin der Kultur liegt darin, dass sie den zutiefst menschlichen Teil der Arbeit verrichtet." Mithin ist klar, dass eine buddhistische Wirtschaftslehre sich von der des modernen Materialismus stark unterscheiden muss, da sich nach den Buddhisten das Wesen der Kultur nicht in einer Vervielfachung von Bedürfnissen findet, sondern in der Läuterung des menschlichen Wesens. Das Wesen aber wird zugleich vor allem durch die Arbeit des Menschen gestaltet. Bei einer sinnvoll unter Bedingungen von Menschenwürde und Freiheit getanen Arbeit ruht Segen auf denen, die sie tun und auf ihren Erzeugnissen. Der indische Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler J. C. Kumarappa fasst das so zusammen:
"Wenn die Natur der Arbeit richtig eingeschätzt und angewandt wird, steht sie in derselben Beziehung zu den höheren Fähigkeiten des Menschen wie die Nahrung zum Leib. Sie nährt und belebt den höheren Menschen und drängt ihn, das Beste hervorzubringen, dessen er fähig ist. Sie gibt seinem freien Willen die angemessene Richtung und lenkt das Tier in ihm auf den richtigen Weg. Sie liefert einen ausgezeichneten Hintergrund, auf dem der Mensch seine Wertordnung zeigen und seine Persönlichkeit entwickeln kann."

Ein Mensch ohne Aussicht auf Arbeit ist in einer verzweifelten Lage. Nicht nur weil er kein Einkommen hat, sondern weil ihm der durch nichts zu ersetzende nährende und belebende Faktor disziplinierender Arbeit fehlt. Ein moderner Wirtschaftswissenschaftler kann sich in kunstvollen Spekulationen darüber ergehen, ob Vollbeschäftigung sich <auszahlt> oder ob es <wirtschaftlicher> wäre, eine Volkswirtschaft unterhalb der Vollbeschäftigungsschwelle zu halten, so dass eine grössere Beweglichkeit der Arbeitskräfte, stabilere Löhne und so weiter gesichert sind. Sein grundlegender Erfolgsmassstab ist die Gesamtmenge an Gütern, die in einem bestimmten Zeitraum hervorgebracht wird. "Wenn der Grenzbedarf an Gütern gering ist", sagt Galbraith in Gesellschaft im Überfluss, "dann ist es auch nicht unbedingt nötig, den letzten Menschen oder die letzte Million Menschen aus dem Arbeitskräftereservoir heranzuziehen." Und weiter: "Wenn ... wir uns im Interesse der Stabilität ein gewisses Mass an Arbeitslosigkeit leisten können - und das ist, nebenbei gesagt, eine Vorstellung mit untadelig konservativer Vergangenheit -, dann können wir auch den Arbeitslosen die Güter geben, mit denen sie ihren gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten vermögen.

Vom buddhistischen Standpunkt aus wird damit die Wahrheit auf den Kopf gestellt, weil Güter für wichtiger als Menschen und Konsum für wichtiger als schöpferisches Tun gehalten werden. Damit wird der Schwerpunkt vom Arbeiter auf das Ergebnis der Arbeit verlagert, das heisst vom Menschlichen zum Untermenschlichen. Das aber ist gleichbedeutend mit dem Eingeständnis der Niederlage gegenüber menschenverneinenden Kräften. Schon am Anfang einer buddhistischen Wirtschaftsplanung stünde der Wunsch nach Vollbeschäftigung. Ihr Hauptziel wäre Beschäftigung für jeden, der eine Stellung <draussen> braucht. Das entspräche nicht der Höchstbeschäftigung und auch nicht einer Höchstproduktion. Frauen brauchen im grossen und ganzen keine Beschäftigung <draussen>, und ein hohes Mass an Beschäftigung von Frauen in Büros oder Fabriken würde als Zeichen ernsthaften wirtschaftlichen Versagens angesehen. Insbesondere würde Fabrikarbeit von Müttern kleiner Kinder, die dann ohne Aufsicht wären, einem buddhistischen Wirtschaftswissenschaftler ebenso unwirtschaftlich erscheinen wie einem modernen Wirtschaftswissenschaftler die Beschäftigung eines Facharbeiters als Soldat.

Während es dem Materialisten in erster Linie um Güter geht, geht es dem Buddhisten hauptsächlich um Befreiung. Aber Buddhismus ist <der Mittlere Weg>, daher ist er in keiner Weise körperlichem Wohlbefinden gegenüber feindlich eingestellt. Nicht Reichtum steht der Befreiung im Wege, sondern die Bindung an ihn, nicht die Freude an angenehmen Dingen, sondern das Verlangen nach ihnen. Der Grundgedanke buddhistischer Wirtschaftslehre heisst daher Einfachheit und Gewaltlosigkeit. Vom Standpunkt eines Wirtschaftswissenschaftlers aus gesehen, liegt das Wunder der buddhistischen Lebensweise in der äussersten Vernunftbezogenheit ihres Musters - erstaunlich geringe Mittel führen zu überaus zufriedenstellenden Ergebnissen.

Das ist für den modernen Wirtschaftswissenschaftler nur schwer verständlich. Er ist daran gewöhnt, den <Lebensstandard> an der Menge des jährlichen Verbrauchs zu messen, wobei ständig angenommen wird, dass es jemandem, der mehr verbraucht, <besser geht> als jemandem, der weniger verbraucht. Ein buddhistischer Wirtschaftswissenschaftler würde diese Betrachtungsweise als äusserst unvernünftig ansehen.

Da Verbrauch nichts anderes ist als ein Mittel zum Wohlbefinden des Menschen, müsste das Ziel das Erreichen eines Höchstmasses an Wohlbefinden mit einem Mindestmass an Verbrauch sein. Wenn also der Zweck der Kleidung ein gewisser Schutz vor dem Wetter und ein anziehendes Äusseres ist, besteht die Aufgabe darin, diesen Zweck mit dem geringstmöglichen Aufwand zu erreichen, das heisst mit der kleinsten jährlichen Zerstörung von Stoff und mit Hilfe von Entwürfen, die den geringstmöglichen Arbeitsaufwand bedingen. Je weniger Mühe aufgewendet wird, desto mehr Kraft bleibt für künstlerisches Schöpfertum. Es wäre beispielsweise überaus unwirtschaftlich, komplizierte Schneiderarbeit vorzusehen, wie im modernen Westen, wenn durch die geschickte Drapierung nicht zugeschnittenen Stoffs eine weit schönere Wirkung zu erzielen ist. Der Gipfel der Dummheit wäre es, Kleiderstoff so herzustellen, dass er rasch verschleisst, und ein Verbrechen, etwas Hässliches, Unansehnliches oder Dürftiges herzustellen. Was über Kleidung gesagt wurde, gilt gleichermassen für alle anderen menschlichen Bedürfnisse. Der Besitz und der Verbrauch von Gütern sind Mittel zu einem Ziel, und die buddhistische Wirtschaftslehre ist die systematische Untersuchung darüber, wie man diese vorgegebenen Ziele mit den geringsten Mitteln erreichen kann.

Andererseits betrachtet die moderne Wirtschaftswissenschaft Verbrauch als den einzigen Zweck und das einzige Ziel allen wirtschaftlichen Handelns. Dabei sieht sie die Produktionsfaktoren - Grund und Boden, Arbeitskraft und Kapital - als die Mittel an. Erstere versucht, kurz gesagt, ein Höchstmass an menschlicher Zufriedenheit durch das günstigste Verbrauchsmuster zu erzielen, während letztere versucht, den Verbrauch mit Hilfe des günstigsten Musters von Produktionsanstrengungen auf ein Höchstmass zu schrauben. Es ist leicht zu erkennen, dass der für die Aufrechterhaltung einer Lebensweise, die das günstigste Verbrauchsmuster anstrebt, benötigte Aufwand wahrscheinlich weit geringer ist als der für die Aufrechterhaltung eines Antriebs zum Höchstverbrauch erforderliche. Daher darf es uns nicht überraschen, dass die Belastungen des Lebens beispielsweise in Birma weit geringer sind als in den Vereinigten Staaten, obwohl die in Birma verwendete Menge an arbeitssparenden Maschinen nur einen winzigen Bruchteil der in den USA verwendeten ausmacht.

Einfachheit und Gewaltlosigkeit stehen offenkundig in enger Beziehung. Das günstigste Verbrauchsmuster, das mit Hilfe einer vergleichsweise geringen Verbrauchsmenge ein hohes Mass an menschlicher Zufriedenheit erzeugt, gestattet es den Menschen, ohne grossen Druck und grosse Spannung zu leben und die grundlegendste Forderung der buddhistischen Lehre zu erfüllen: <Tue nichts Böses mehr, versuche Gutes zu tun.> Da die materiellen Quellen überall begrenzt sind, ist es weit weniger wahrscheinlich, dass Menschen, die ihre Bedürfnisse mit Hilfe eines bescheidenen Einsatzes dieser Quellen befriedigen, sich gegenseitig an die Gurgel fahren als Menschen, die von einem hohen Verbrauch abhängig sind. Ebenso wird sich Gewalt weit weniger in örtlichen Gemeinschaften zeigen, die in hohem Masse autark sind, als dort, wo die Existenz der Menschen auf einem weltweiten Handelssystem beruht.

Vom Standpunkt der buddhistischen Wirtschaftslehre her ist also die Produktion aus am Ort verfügbaren Mitteln für am Ort entstehende Bedürfnisse die vernünftigste Art des Wirtschaftslebens, während Abhängigkeit von Einfuhren, die von weither kommen, und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, für die Ausfuhr an unbekannte und weit entfernt lebende Völker zu produzieren, in hohem Masse unwirtschaftlich und nur in Sonderfällen und in kleinem Rahmen zu rechtfertigen ist. Ebenso wie der moderne Wirtschaftswissenschaftler zugeben würde, dass ein grosser Bedarf an Verkehrsdienstleistungen zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz eines Menschen bedauerlich und nicht Zeichen eines hohen Lebensstandards ist, wäre der buddhistische Wirtschaftswissenschaftler der Ansicht, dass die Befriedigung menschlicher Wünsche aus weit entfernten Quellen statt aus nahegelegenen eher ein Zeichen für Versagen als für Erfolg ist. Während der Erstgenannte dazu neigt, Statistiken aufzustellen, in denen sich eine Zunahme der Tonnenkilometer pro Kopf der Bevölkerung durch das Verkehrswesen des Landes als Beweis für wirtschaftlichen Fortschritt darstellt, würde der buddhistische Wirtschaftswissenschaftler dieselbe Statistik als Anzeichen für eine äusserst unerwünschte Verschlechterung im Verbrauchsmuster ansehen.

Ein weiterer auffallender Unterschied zwischen der modernen Wirtschaftswissenschaft und der buddhistischen Wirtschaftslehre zeigt sich im Hinblick auf die Verwendung natürlicher Hilfsquellen. Bertrand de Jouvenel, der herausragende französische politische Philosoph, hat den <westlichen Menschen> mit Worten gekennzeichnet, die man als angemessene Beschreibung des modernen Wirtschaftswissenschaftlers ansehen kann: "Ihm gilt nichts ausser der menschlichen Anstrengung als Aufwand. Es scheint ihn nicht zu kümmern, wieviel Mineralsubstanz er verschwendet und, weit schlimmer noch, wieviel lebende Substanz er zerstört. Es scheint ihm in keiner Weise klar zu sein, dass das Leben des Menschen abhängiger Teil eines Ökosystems ist, das aus vielen verschiedenen Formen des Lebens besteht. Da die Welt von Städten aus regiert wird, in denen die Menschen von jeder anderen Lebensweise als der menschlichen abgeschnitten sind, wird das Gefühl nicht bestärkt, zu einem Ökosystem zu gehören. Die Folge ist eine gefühllose und leichtfertige Behandlung von Dingen wie Wasser und Bäume, von denen wir letztlich abhängen."

Die Lehre Buddhas gebietet jedoch dem Menschen eine ehrfürchtige und gewaltlose Haltung nicht nur allem empfindenden Leben gegenüber, sondern auch mit grossem Nachdruck Bäumen gegenüber. Von jedem Jünger Buddhas wird erwartet, dass er jeweils in Abständen von einigen Jahren einen Baum pflanzt und pflegt, bis er gedeiht. Es fällt dem buddhistischen Wirtschaftswissenschaftler nicht schwer zu zeigen, dass die allgemeine Beachtung dieser Vorschrift zu einem hohen Mass echter wirtschaftlicher Entwicklung führen würde, die von äusserer Hilfe unabhängig wäre. Zum wirtschaftlichen Verfall Südostasiens hat wie in vielen anderen Teilen der Erde auch zweifellos die gedankenlose und beschämende Vernachlässigung der Bäume massgeblich beigetragen.

Die moderne Wirtschaftswissenschaft unterscheidet nicht zwischen erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Materialien, da ihr Vorgehen ja gerade darin besteht, alles in Form von Geld nach der Menge zu bewerten. Nehmen wir beispielsweise verschiedene Energiequellen wie Kohle, Öl, Holz oder Wasserkraft, so zeigt sich, dass in den Augen der modernen Wirtschaftswissenschaft der einzige Unterschied zwischen ihnen im relativen Preis pro Energieeinheit besteht. Der Vorzug ist automatisch der billigsten zu geben, da alles andere unvernünftig und <unwirtschaftlich> wäre. Nun ist das vom buddhistischen Standpunkt selbstverständlich nicht richtig, der entscheidende Unterschied zwischen nicht-erneuerbaren Brennstoffen wie Kohle und Öl einerseits und den erneuerbaren wie Holz und Wasserkraft andererseits lässt sich nicht einfach übersehen. Nicht erneuerbare Güter dürfen nur dann verwendet werden, wenn das unvermeidlich ist. Selbst dann aber werden sie sehr sorgsam behandelt, und es wird angestrebt, sie möglichst zu bewahren. Der sorglose oder verschwenderische Umgang ist den Buddhisten zu gewalttätig, und auch wenn völlige Gewaltlosigkeit auf dieser Welt wohl nicht zu erreichen ist, so besteht doch die unbedingte Pflicht des Menschen, in allem, was er tut, dem Ideal der Gewaltlosigkeit nachzustreben.

Ebenso wie moderne europäische Wirtschaftswissenschaftler es nicht für eine grosse wirtschaftliche Leistung hielten, wollte man alle europäischen Kunstschätze zu günstigen Preisen an Amerika verkaufen, so würde auch ein buddhistischer Wirtschaftswissenschaftler auf der Meinung bestehen, dass eine Bevölkerung schmarotzt, die ihr wirtschaftliches Leben auf nicht-erneuerbaren Brennstoffen aufbaut, die also vom Kapital statt vom Ertrag lebt. Eine solche Lebensweise kann nicht von Dauer sein und darf daher nur als vorübergehender Notbehelf gerechtfertigt werden. Da die Weltvorräte an nicht-erneuerbaren Brennstoffen - Kohle, Öl und Erdgas - äusserst ungleichmässig über den Erdball verteilt und in ihrer Menge begrenzt sind, ist es klar, dass ihre immer raschere Ausbeutung eine Gewalttat gegen die Natur darstellt, die unvermeidlich zur Gewaltanwendung unter den Menschen führen muss.

Diese Tatsache allein müsste ausreichen, selbst solche Menschen in buddhistischen Ländern zum Nachdenken zu bringen, die sich nichts aus den religiösen und geistig-seelischen Werten ihres Erbes machen und die den glühenden Wunsch verspüren, sich möglichst rasch dem Materialismus der modernen Wirtschaftswissenschaft hinzugeben. Bevor sie die buddhistische Wirtschaftslehre als rückwärtsgewandten Traum abtun, sollten sie überlegen, ob der von der modernen Wirtschaftswissenschaft vorgezeichnete Weg sie wirklich dorthin führt, wohin sie möchten. Gegen Ende seines mutigen Buches The Challence of Man's Future gibt Harrison Brown vom California Institute of Technology zu bedenken: "Wir sehen also, dass die industrielle Gesellschaft im Innersten labil und dem Rückfall in eine Ackerbaugesellschaft ausgesetzt ist, während zugleich die Kräfte, die dem Einzelnen Freiheit garantieren, nicht stark genug sind, einem Rückfall in Zeiten einer starren Organisation und totalitären Herrschaft entgegenzutreten. Wenn wir alle voraussehbaren Schwierigkeiten prüfen, die den Fortbestand der auf Industrie gegründeten Zivilisation bedrohen, lässt sich schwer sehen, wie zugleich Stabilität erreicht und die Freiheit des einzelnen bewahrt werden kann."

Selbst wenn wir das als eine erst für die Zukunft gültige Darstellung abtun, bleibt die unmittelbare Frage, ob <Modernisierung>, wie sie gegenwärtig ohne Rücksicht auf religiöse und geistig-seelische Werte stattfindet, tatsächlich erstrebenswert ist. Im Hinblick auf die Massen scheinen die Ergebnisse verhängnisvoll - das ländliche Wirtschaftssystem bricht zusammen, die Zahl von Arbeitslosen in Stadt und Land nimmt zu, und ein Stadtproletariat ohne Nahrung und Perspektiven wächst.

Angesichts der unmittelbaren Erfahrung und der langfristigen Auswirkungen könnte sich die Beschäftigung mit der buddhistischen Wirtschaftslehre selbst für jene empfehlen, die Wirtschaftswachstum für wichtiger als irgendwelche geistig-seelischen oder religiösen Werte halten. Es handelt sich nämlich nicht um eine Frage der Wahl zwischen <modernem Wachstum> und <herkömmlichem Stillstand>. Es geht darum, den rechten Pfad der Entwicklung zu finden, den Mittleren Weg zwischen materialistischer Rücksichtslosigkeit und herkömmlicher Unbeweglichkeit, kurz gesagt, die <Richtige Lebensart>.


 

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".  
Peter F. Drucker  
Management Challenges for the 21st Century, p.97